Liturgisches
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Meditationen | Meditative Texte
| Teil 5            
Du hat mich berührt
Spät hab ich dich geliebt, o
Schönheit,
immer alt und immer neu!
Und sieh, du warst in mir;
ich aber suchte dich draußen
und warf mich an die schönen Dinge
weg,
die doch nur deine Schöpfung sind.
du warst bei mir, doch ich war nicht
bei dir;
die Schöpfung hielt mich fern von dir
und hätte doch außer dir keinen
Bestand.
Du hast gerufen und geschrien,
meine Taubheit zu sprengen.
Du hast geblitzt und geleuchtet,
meine Blindheit zu verscheuchen.
Du hast deinen Duft verströmt:
ich habe ihn eingeatmet,
und nun sehne ich mich nach dir.
Ich habe dich verkostet;
nun hungere und dürste ich nach dir.
du hast mich berührt,
und ich brenne vor Verlangen
nach deinem Frieden.
Aurelius
Augustin (354-430)
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Liebe ist nicht der natürlich Zustand
Liebe ist nicht der natürliche
Zustand
unseres Lebens,
sondern Egoismus und Gleichgültigkeit
liegen uns viel näher.
Liebe entsteht nicht durch
Zeremonien,
nicht durch Wunschvorstellungen,
und Liebe kann nicht durch
Entscheidungen
herbeigezwungen werden.
Liebe
ist nie Besitz
und kann nicht auf Vorrat angelegt
werden;
und die Liebe von gestern
nützt mir heute nichts.
Liebe ist der Zustand, Gott in uns zu
haben.
Liebe muss ständig erneuert werden.
Liebe kommt als Geschenk zu uns.
Liebe wächst aus dem Erleben mit
Gott.
Liebe wächst, wenn wir uns selbst
annehmen;
Liebe wächst, wenn wir einander
annehmen.
Ulrich Schaffer
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Zuflucht
Zuflucht ist bei dem alten Gott / und
unter den ewigen Armen, / die dich erschaffen, erhalten, geführt, / auch
wo dein Herz es nicht dankbar gespürt. / Wo soll noch Sorge, Zweifel, gar
Spott? / Gott will sich deiner erbarmen. / Gott hat dich erkürt.
Gott ist Hilfe, Rat, Trost und
Schild. / Er bleibt, der er war. Du sollst hoffen. / Ward dir der
härteste Kampf auferlegt, / traf dich auch Leid, wie noch keiner es
trägt, / und Jammer, den noch niemand gestillt - / Gott hält die Arme dir
offen. / Gott heilt, die er schlägt.
Gottes Arme sind Halt und Rast. /
Sie möchten dich liebend umfangen. / Was dich auch ängste, sie bleiben
dein Hort. / Was dich auch binde, sie tragen dich fort. / Und hat die
Welt dich bitter gehasst - / Gott lässt dich Frieden erlangen. / Gott gab
dir sein Wort.
Jochen Klepper
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Ich glaube, dass Gott aus allem, auch
aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er
Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder
Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er
gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern
allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der
Zukunft überwunden sein.
Dietrich
Bonhoeffer
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Sagt es weiter
Sagt es leise weiter,
sagt allen,
die sich fürchten,
sagt leise
zu ihnen:
fürchtet
euch nicht,
habt keine
Angst mehr,
Gott ist da.
Er kam in unsere Welt —
einfach, arm, menschlich.
Sucht ihn, macht euch auf den Weg.
Sucht ihn nicht hinter den Sternen,
nicht in Palästen,
nicht in Schaufenstern.
Sucht ihn dort, wo ihr arm seid,
wo ihr traurig seid und Angst habt.
Da hat er sich verborgen,
da werdet
ihr ihn finden
wie einen
Lichtschein in dunklem
Gestrüpp,
wie eine tröstende Hand,
wie eine Stimme, die sagt:
Fürchte dich nicht!
Peter Horst
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Ihn finden
Ich dachte, ihn zu finden
in starren Glaubenssätzen,
die ich nur für wahr halten
und auswendig lernen müsste.
Ich dachte, ihn zu finden
in muffigen Bibliotheken,
wo ich nur an der richtigen Stelle
nachschlagen müsste.
Ich dachte, ihn zu finden
in Anweisungen und Gesetzen,
die ich nur treu und gewissenhaft
befolgen müsste.
Ich dachte nicht mehr,
ihn zu finden –
und begegnete dem Lebendigen
und begann zu leben.
Rainer Haak
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Gott loben – alle Tage
Gott loben – heute,
am Tag des Feierns,
in der Stunde der Gemeinschaft,
in der Übereinstimmung der Gefühle,
in der Einstimmigkeit des Glaubens,
in der Vielstimmigkeit des Gesanges.
Gott loben – morgen,
wenn wir arbeiten, wenn wir einsam
sind,
wenn Empfindungen, Gefühle uns
zerreiben,
wenn die Monotonie des Alltäglichen
uns lähmt,
wenn die Reize uns überfluten.
Gott loben – alle Tage,
weil alle Tage seine Tage sind
und er bei uns ist,
weil er die Tiefe unseres Lebens
erfüllt
und uns oft überraschend nah ist,
weil er uns seine Stimme hören lässt.
Gott loben – heute und morgen,
alle Tage und alle Nächte,
im Leben und im Tod.
Gott loben
Hartmut Handt zu Psalm 66, aus: lass mich fallen in
dein Wort. Texte zu den Wochenpsalmen, Edition Anker, Stuttgart 1995,
Seite 51
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Jedem in jeder Lage
Der ganzen Welt das Evangelium
verkündigen,
jedem Einzelnen in jeder Lage,
wo immer er ist, was immer er tut,
ist das nicht Mission, Herr?
Ganz einfach da sein,
ohne großes Gehabe,
ohne viele Worte.
Kann nicht schon die Anwesenheit
echter Christen
die Gesellschaft mit Erfolg
verändern?
Das Evangelium soll den ganzen
Menschen durchdringen
und alle Völker erfassen.
Es überschreitet alle
geographischen, politischen und
wirtschaftlichen Schranken.
Niemand ist eine Insel.
Deshalb sollen sich die Christen
zusammenschließen,
um gemeinsam Gottes Mission
auszuführen
durch ihr Dabeisein,
Zeugen der Liebe Gottes,
die uns in Christus erschienen ist.
M.A. Thomas
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