Liturgisches
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Meditationen | Meditative Texte
| Teil 4            
Gott ist ein
fleißiger Sucher.
Er findet uns an
allen möglichen und unmöglichen Orten.
Er begibt sich auch
in die unmöglichste Gesellschaft, um uns wiederzufinden.
Er freut sich
allemal, wenn er einen verlorenen Menschen gefunden hat.
Ja, Gott freut
sich auch dann,
wenn er uns in
der fatalsten Situation wiederfindet.
Es braucht sich
niemand davor zu genieren, von Gott gefunden zu werden.
Gott ist allemal
ein glücklicher Finder.
Glücklich über
jeden Menschen, der sich finden lässt.
Eberhard Jüngel
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Selig sind, die
da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da
Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die
Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die
da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;
denn sie sollen satt werden.
Selig sind die
Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind die
reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die
Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die
um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihrer ist das Himmelreich.
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Auf dem Weg
Pilger sind wir,
immer auf dem Weg.
Manchmal schleppen wir uns
auf steinigen Strecken
mühsam dahin.
Manchmal blüht alles
um uns und in uns,
und alles wird leicht.
Weggefährten können hinderlich
oder hilfreich sein;
Orientierung ermöglichen
oder Verwirrung stiften.
Die Klarheit des Zieles
bestimmt meinen Schritt.
Wer oder was erwartet mich?
Das wirft Licht oder Schatten
auf meinen Weg.
Pilger sind wir – immer unterwegs.
Einer kennt den Weg.
Er ist der Weg
und mein
Weg-Geleit zum Ziel.
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Herr, bleibe bei uns
Den
Emmausjüngern gleich
werden
auch wir immer wieder
herausgeworfen
aus unserer vermeintlichen
Sicherheit.
Wir hatten Hoffnungen gehegt
und uns in ihnen wohlig eingerichtet.
Und dann kam alles so ganz anders.
Die Hoffnungen wurden vernichtet
und die Wunschvorstellungen erfüllten
sich nicht.
Wir waren aufgebrochen
und hatten plötzlich keine Zukunft
mehr.
Muss das so sein?
Kann es nicht auch so geschehen, dass
der Auferstandene schon unterwegs ist
zu uns, um uns die Augen zu öffnen?
Kann es nicht sein,
dass wir nach dem Zusammenbruch
unserer irdischen Hoffnungen
die Größe und Herrlichkeit Jesu
erkennen?
In seiner Nähe bekommen die Dinge
ein anderes Gewicht.
Darum wollen wir unablässig bitten:
Herr, bleibe bei uns.
Marie Hüsing
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Gib mir dein Herz!
Herr, ich bin erschrocken
über meine Oberflächlichkeit
und mein Misstrauen dir gegenüber.
Ich weiß, dass du mein Herz willst.
Aber ich fürchte mich davor,
dir mein ganzes Leben zu geben.
Was wirst du dann mit mir tun?
Wohin steuerst du mein Lebensschiff?
Wenn ich mich fallen lasse,
wirklich alle Sicherheiten loslasse,
auch mich selbst,
wer sagt mir, ob mich deine Hände
wirklich tragen
und ich nicht ins Bodenlose versinke?
Du garantierst nichts – außer dem
einen:
„Ich liebe dich, deshalb vertraue
mir!“
Diese Liebe trieb dich ans Kreuz.
Es ist eine frage
der Liebe.
Bin ich bereit, mich von dir lieben
zu lassen?
Was hindert mich daran, deiner Liebe
zu trauen?
Herr, hier bin ich, mit allem, was in
mir ist.
Ich will es wagen, dir zu vertrauen.
Hier hast du
mein Herz. Amen.
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Nachts geträumt
Nachts kamen sie, die stummen Helfer
des Todes
führten mich aus meinem Haus
Nichts konnte ich mitnehmen ins Grab
nicht meine Papiere, keine Bücher,
kein Geld
nicht meine Kamera, kein
Tonbandgerät, keine Platten
nicht meine Kleider, nicht Wäsche
noch Schuhe
keines meiner guten Werke
keinen meiner Fehler, keine
Erinnerung
nichts kannst du mitnehmen in das
Gericht
du hast nichts in der Hand, wenn es
gilt
Der große Richter
flüstert man neben mir
soll Jude sein, ein
jünger Mann um die dreißig
Ich weiß
ich kenne ihn
all meine Hoffnung
setze ich auf ihn.
Lothar Zenetti
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Den Treibern entronnen
Du gehst voran, Herr.
Deine Jünger folgen dir nach.
Wir danken dir dafür,
dass du kein Treiber bist.
Du willst nicht
das Letzte aus uns herausholen,
was in uns steckt.
Du willst uns nicht einsetzen,
nicht verwenden,
nicht als Mittel benutzen,
einen Zweck zu erreichen.
Du gehst vor uns her,
brichst uns die Bahn,
öffnest die Türen.
Du gibst immer mehr, als du forderst.
Und ehe du forderst,
hast du längst zwiefach gegeben.
Wer dir nachfolgt,
der ist den Treibern entronnen.
Es ist gut, dein Jünger zu sein,
Jesus.
Lindolfo Weingärtner
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Nicht weltfremd
Wenn du ganz in Jesus zur Ruhe
gekommen bist,
wirst du offen sein
für die Nöte der Menschen,
für die Fragen der Welt.
Wenn du in Ihm zur Ruhe gekommen
bist,
wirst du in der Begegnung mit den
Menschen
auch den anderen Ruhe bringen.
den Segen des Stilleseins,
die Kraft der Natürlichkeit,
die Einfachheit des Gelöstseins –
und du wirst Richtung weisen
denen, die in Unruhe sind.
Wenn deine Augen
immer auf Gott gerichtet sind,
kann Gottes Licht durch dich hindurchstrahlen
zu den Menschen.
Dein Wesen ist Gott und den Menschen
zugewandt
wie das Wesen der Engel,
und dein Leben kann Woge des Segens
sein,
die sich fortpflanzt in dieser Welt.
Hanna Hümmer
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